Düsseldorfer Salon „Haus Rosenstrasse“

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Der Düsseldorfer Salon zu Gast im „Haus in der Rosenstrasse“

Unterwegs am Samstag, vorbei an fußballseligem Kneipen-Stimmen-Gewirr, in die Düsseldorfer Rosenstrasse zur Auftaktveranstaltung „Düsseldorfer Salons“ des Schumannfestes 2012. Eben noch laute Stimmen im Ohr fallen mir vor dem Salon „Haus in der Rosenstrasse“ auf einem Plakat merkwürdige Mitteilungen vor die Füße. „Ich werde auf einem Schimmel zur Arbeit reiten.“ Oder: „Ich werde mich öfters im Morgengrauen duellieren.“ Bin ich hier richtig? Das Duo Valentin Radutiu (Cello) und Per Rundberg (Klavier) spielen u.a. Musik von Edouard Lalo und Alberic Magnard im Düsseldorfer Salon, so die Konzertankündigung. Oder bin ich doch nicht bei Lalo und seiner Musik sondern geht’s hier zur LA-OLA-Wellen-Gemeinschaft  zu einem Duell ins Fußballstadium?

Im Salon, in der Bel Etage des Hauses verflüchtigt sich augenblicklich mein Spukgespenst von eben. In erwartungsvoller Stille schauen sich etwa 50 Gäste im Salon um. Vergewissern sich, das sie wirklich hier im Jetzt und Heute sind, dabei sind, zu sich selbst zu finden. Das Credo des Schumannfestes „Romantisiere Dich!“ hat auf einmal nichts mehr von einer imperativen Aufforderung. „Ich werde meine Seele empfindsam halten.“ Stand auch draußen auf dem Plakat. Vielleicht von da aus begann sich das Publikum lautlos „zu romantisieren“. Und mit dem ersten kraftvollen Bogenstrich Radutiu’s, dem mächtigen Anschlag Rundberg’s von Lalos selten gespielter Sonate für Violoncello und Klavier begann ein Konzert, wie man es sich intimer kaum vorzustellen vermag. Als wäre es eine absichtsvolle Interpretation dieses Maitages, folgten die Sätze „Zart und mit Ausdruck“ über „Lebhaft, leicht“ bis zu „Rasch und mit Feuer“ der Stimmung draußen vor dem Fenster. Wie ein letzter Versuch, das Verlöschen des Tageslichts aufzuhalten, beschrieb das exzellente Zusammenspielspiel von Radutiu und Rundberg ein Sich-ergeben, dass der Tag unweigerlich in den Abend übergehen muss. Die anschließenden Fantasiestücke von Robert Schumann waren wie der musikalische Kontrapunkt für diesen Tag. Noch leuchte das Nachmittagslicht, aber schon kam die Dämmerung.

Zwischen Drinnen und Draußen, zwischen dem Lauschen der Sonate für Violoncello und Klavier in A-Dur, op.20 von Alberic Magnard im Salon und dem langsam abebbenden, aber kräftigem Vogelgezwitscher, das durch die geöffneten Fenster vor allem in den Sätzen  „Sans lenteur“ und „Sans faiblir“ wie eine musikalische Improvisation zu hören war, entstand eine „romantische“ Resonanz voller Harmonie.

Etwas von dem, wie der Intendant des Schumannfestes Michael Becker am Anfang des Konzertes mit „sich zurück führen lassen zu den emotionalen Wurzeln der Romantik in Düsseldorf“ formulierte,  war an diesem Abend in der Rosenstrasse wahr geworden. Der überwältigende Applaus galt sicher nicht nur den sensibel harmonierenden und mit Verve musizierenden Valentin Radutiu und Per Rundberg, sondern ebenso dem Intendanten und den Gastgebern für dieses eindrucksvolle Erlebnis an diesem Ort.

Am Ausgang fiel mein Blick noch einmal auf das Plakat. „Ich werde mich an der Macht meiner Gefühle berauschen.“, stand da auch noch und verabschiedete mich gleichsam in die Nacht.

20.05.2012

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Über Peter E. Rytz Review

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