L’Arpeggiata

©  Peter E. Rytz 2012

© Peter E. Rytz 2012

Via Crucis – Rapprensentazione della Passione di Christo

Sonntag, 20.Mai 2012, St. Reinoldikirche Dortmund
Klangvokal Musikfestival Dortmund

Zauberhafte Begegnungen beim Festival „Klangvokal 2012“

Als man am Sonntagabend die St. Reinoldikirche in Dortmund verließ, empfing einem schwül feuchte Luft. Tief durchatmen, orientieren. Wo bin ich hier? Wie im Trance, vorsichtige, erste Schritte auf den nach einem Regenguss wie leergefegten Osthellenweg. Eben noch mit Christina Pluhar und ihrem Ensemble L‘Arpeggiata mitgenommen auf eine musikalische Reise Via Crucis. Jetzt sogleich der Umstieg, Alltagsreise via Hauptbahnhof. Schritt für Schritt wie von selbst vorwärts stolpernd.

Im Kopf schwangen sich immer noch die Töne in die Höhen der dreischiffigen romanischen Basilika der St. Reinoldikirche, wo sie sich in den Gewölben des gotischen Chorraumes brachen und als Wohlklang in die Ohren der Zuhörer zurückkamen. Im nächsten Moment war der Kirchenraum von traditionellen korsischen Gesängen des Vokalensembles Barbara Furtuna erfüllt. Wie aus tiefsten Tiefen inniger Empfindung erhob sich ein harmonischer Gleichklang im Lobpreis Marias. Faszinierend wie sich, mit dem Tenor von Jean Pierre Marchetti die Einzelstimme zu einem eindringlichen musikalischen Ritual empor schwang, um sich im Quartett mit kraftvollem und lyrischem Ausdruck zu vereinigen.

Bei allen grundsätzlichen Schwierigkeiten, die liturgische Grundierung der Passion Christi in einer musikalische Kunstform Rapprensentazione della Passione di Christo, so der Untertitel des Programms, darzubieten,  also getrennt vom religiösen Ritus zu musizieren, überzeugte die künstlerische Qualität dieses Projekts von Christina Pluhar.

Viel zu diesem Gelingen trug auch die Sopranistin Nuria Rial mit ihrem nuancierten und frischen Gesang bei. Im Duett mit Vincenzo Capezzuto, der mit seiner Stimmlage eines Countertenors traditionelle korsische Lieder mit beeindruckendem Ausdruck gestaltete, entwickelten sich wunderschöne, manchmal geradezu wundersame Klänge. Die Musik erreichte eine  Wirkmächtigkeit, die, so schien es, das Kirchendach anzuheben vermochte und ihren Zauber mit der Welt draußen zu teilen.

Je länger das Konzert dauerte, um so mehr kehrte sich die Freude mit einem Lächeln nach innen. Ließ man seinen Blick immer wieder einmal durch den Kirchenraum schweifen, war man nie allein.

 21.05.2012

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Über Peter E. Rytz Review

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