Schumann romantisiert durch Videokunst

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Schumann romantisiert durch Videokunst

Wenn Katia und Marielle Labéque auf den Konzertpodien dieser Welt angekündigt sind, können sie sich eines großen Interesses gewiss sein. Beim Schumannfest 2012 in der Düsseldorfer Tonhalle war das am Dienstag nicht unbedingt so. Wer das Konzert besuchte, war sicher froh, dass er da war. Mit subtil auf einander abgestimmten Spiel, das das Leise und das Laute (Rhapsodie espagnole), das Hintergründige und das Vordergründige (Ma mere l’oye)  in den Kompositionen von Maurice Ravel wussten sie souverän zu überzeugen. Selbst die Nocturnes von Claude Debussy in ihrem kraftvoll differenzierten Farbwandel der doppelten Klavierstimmen mit dem  Arrangement von Ravel  waren den Labéque-Schwestern wie auf den Leib geschrieben. Pianistische Überlegenheit in Dramaturgie und Getaltung. Ein Lehrstück!

Warum dann aber eine überschaubare Nachfrage ? Nur das Parkett war lückenhaft gefüllt. Möglich, dass die Konzertankündigung Ein Video für Schumann Schumann-Puristen zu gewagt war – und sie weg blieben. Es war in jedem Fall ein mutiger Versuch des Intendanten Michael Becker, das Schumannfest auch für diejenigen zu öffnen, es interessant zu machen, auch Neugierde zu wecken, die ansonsten nicht zum klassischen Konzertpublikum gehören. Man konnte allerdings nicht auffällig viele Gesichter erkennen, die diesem neuen Interesse zu zuordnen wären. Was auffiel, war eine große Anzahl von französisch sprechenden Konzertbesuchern. Sollte die überragende Qualität des Klavierduos Katia und Marielle Labéque eine frankophile Resonanz haben, die der deutschen überlegen ist?

Der Videokünstler Tal Rosner aus Jerusalem, der seit 2006 gemeinsam mit den Labéque-Schwestern musikalische Visualisierungsprojekt  realisiert,  hatte erstmals mit Robert Schumanns  Bilder aus dem Osten – 6 Impromptus op.66 eine Komposition des 19.Jahrhundert als Weltpremiere in Düsseldorf visualisiert. Das Klavierspiel zu zwei Händen zeichnete er auf einer Videowand als eigenständige  Interpretation nach. Auflösende Punkte, sich verschiebende Linien, Kreise in Kuben zusammen fließend, kumulative Strukturreihungen boten dem Publikum einen Resonanzraum an, der neben dem Gehörten grafisch strukturierte Wahrnehmungsebenen stellte.

Ein Aufmerksamkeitswechselspiel, bei dem es schwer fiel, eine Zuordnung zwischen Musik und visual patters zu finden. Verfolgte man die Musik und schielte immer wieder zur Videowand, verlor sich Balance der Konzentration. Eine stärkere Konzentration auf das Bildangebot hat den Verlust der musikalische Sensibilität zur Folge. Es blieb ein zwiespältiges Erlebnis, resp. Ergebnis. Auch bei dem kurzen 1.Satz aus En blanc et noir von Claude Debussy, wo Tal Rosner Filmmaterial von Landschaft mit animierten Horizonten verwendete, blieb trotz des poetisch lyrischen Bildangebots etwas Unentschiedenes zwischen Bild und Musik.

30.05.2012

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Über Peter E. Rytz Review

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