Open-Air-Konzert mit BOREDOMS auf der Halde Haniel

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 Irgendwie unwirklich, nachts mit dem Shuttle-Bus durch die aktive Zeche Prosper-Haniel in Bottrop auf Halde zu fahren. Vorbei an „richtigen“ Malochern des Bergbaus, die dem bizarren Hin-und-Her erwartungsfroher Menschen grinsend kommentieren. Einige hundert Meter vom Haldenrand ist die Fahrt beendet. Helles Licht und stampfende Rhythmen weisen den Weg weiter nach oben. Im Dunkel vorwärts stolpernd, begleitet vom Taschenlampenlicht professioneller Open-Air-Besucher, wird der „Kraterrand“ der Halde in 190 m Höhe erreicht. Auf einmal ist es gleißend hell. Aus der Tiefe der 1999 errichteten Bergarena mischen sich Trommeln, Gitarren und Gesang zu einem brodelnden Klangsturm. Es ist, als wäre man Zeuge eines kurz bevorstehenden Vulkanausbruchs. Die Männer und Frauen um den japanischen „shamanistic vocalist“ und Performer Yamataka EYE jagen Lavablitzen gleich ekstatisch aufgeladene Musikkaskaden in den nächtlichen Himmel des Ruhrtriennale-Sommers. Der Wind, der nach der sommerlichen Schwüle des Tages beim Aufstieg angenehm die Haut kühlte, wird jetzt zu einem heißen Sturmwind der Drummer. Sich wechselseitig anfeuernd, mit Breaks und elektronischen Riffs sich vorwärts treibend, wird das Hören mehr und mehr zu einer schweißtreibenden Körperarbeit. Die Beats öffnen dem Schweiß die Poren. Das rhythmische Mitschwingen verstärkt eher die Körpertemperatur, als das sie Entspannung böte. Die Lavatemperatur des Boredoms-Klangkosmos erreicht mit zunehmender Dauer eine hohe Schmelztemperatur der Gefühle. Zunehmend ergibt sich der Körper fast willenlos einem anwachsenden physischen Schmerz. Höllensturzartig fluten die Klangstrukturen aus den Verstärkern. Irgendwann besetzt die Musik mit brachialer Gewalt den ganzen Körper. Die Aufmerksamkeit  des Hörens bekommt immer weniger eine Chance.
Beim Absteigen von der Halde normalisiert sich langsam die Herzfrequenz. Oben am Himmel die Sterne und der immer noch sonnenerwärmten Asphalt unter den Füßen geben dieser Sommernacht ihren freien Rhythmus wieder.

Photo streaming: Boredoms

  20.08.2012

Advertisements

Über Peter E. Rytz Review

www.rytz.de
Dieser Beitrag wurde unter Jazz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s