Nordrhein-Westfalen kann auch Jazz – WDR 3 Jazzfest 2013

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Nordrhein-Westfalen kann auch Jazz. Das wissen vor allem diejenigen, die WDR 3 hören. Seit Jahrzehnten  der Sender, der Jazz die Plattform gibt, um ihn bei allen mitunter kurzatmigen Musik-Wellenbewegungen nachhaltig hörbar zu machen. Das wissen auch die, die im Januar mit dem 24.Jazzfestival Münster und dem 17.JOE Jazzfestival Essen ihr Festival-Jazzjahr 2013 begonnen haben und mit dem ersten WDR 3 Jazzfest 2013 in diesen Monat ihren Festivalkalender erweitern konnten.

So war es nur konsequent und fast überfällig einen der moderierenden Protagonisten und Garanten für die gute Musik Jazz Karsten Mützelfeldt während des ersten WDR 3 Jazzfest 2013 mit dem Ehrenpreis für herausragende Radiobeiträge im Jazzbereich auszuzeichnen. Sicher auch stellvertretend für das Engagement der WDR 3-Jazzredaktion, die sich mit dem ersten WDR 3 Jazzfest 2013 selbst das beste Geschenk machte. In der langen Tradition der Jazzfestivals in NRW von Moers über Leverkusen bis Münster ebenfalls fast schon überfällig. Es drängte sich eher die Frage auf: Warum erst jetzt?

Eine Radio-Jazzsendung zu machen, ist sicher etwas anderes, als ein Festival zu organisieren. Es gibt wahrscheinlich nur wenige Regionen außerhalb von Köln, die über eine solche professionelle, kompakte Jazzkompetenz  verfügen. Ohne die wäre die Präsenz des Jazz als feste Sendegröße in den Rundfunk- und Fernsehmedien weit über Nordrhein-Westfalen hinaus bis heute nicht möglich gewesen. Jazz wird nach wie vor eher als anspruchsvolle, mitunter mit dem Label intellektuell versehene und damit für den Massengeschmack via Quote als wenig inkommensurabel eingestufte Musik gesehen bzw. gehört. Warum auch immer erst jetzt. Das Festival hat bewiesen, dass ein jazz-affiner, öffentlich-rechtlicher Sender sehr wohl in der Lage ist, die programmatischen und organisatorischen Herausforderungen eines Festivals nicht nur zu stemmen, sondern das Funkhaus am Wallrafplatz  auch als Jazz-Hör-Hochburg zu öffnen.

Die vielen, die kamen, um denjenigen ihre Referenz zu erwiesen, die hinter den Hörangeboten meistens unsichtbar bleiben und jetzt die Bühne für die bereiteten, denen sie sonst allein unseren Ohren empfehlen konnten: Den Jazzmusikern, vom Solisten bis zur Bigband. Es schien wie die Variation des emotionalen Credos, das wir aus dem amerikanischen Wahlkampf kennen: Jazz we can! Gleichzeitig ein wunderbarer Anlass,  zwischen Radiohören und live act die Nagelprobe zu machen.

Nicht immer ist es möglich, das gesamte Festivalprogramm live zu erleben. Nicht dabei gewesen, hat manchmal auch einen ausschließenden Charakter. Wenn davon abgesehen wird, dass es Rundfunk- oder Fernsehaufzeichnungen  in Ausschnitten gibt, die zu einem späteren Zeitpunkt gesendet  werden. Die lange WDR3-Jazznacht, die fast schon eine Radio-Hör-Institution ist, wenn man an die Festivals in Moers oder Münster denkt, gab einem auch in der Nacht zum 3.Feburar ein Gefühl dabei zu sein, ohne vor Ort zu sein.

Der Violinist Adam Baldych, der in einer langen Tradition polnischer Violinisten im Jazz wie Michal Urbaniak oder Zbigniew Seifert steht, hatte für seine The Baltic Gang mit Magnus Lindgren (sax), Iiro Rantala (p), Lars Danielsson (b) und Morten Lund (dr) veritable Musiker an seiner Seite, die mit ihrem Groove selbst das Radio zum Schwitzen brachten. Zwischen den Auftaktkonzerten mit  dem Cologne Contemporary Jazz Orchestra, die unter Ryan Truedell mit Gil Evans revisted  eine neue Tür in einen Standard-Jazz-Raum öffneten, die der Saxofonist Rudresh Mahanthappa mit seinem indo-amerikanischen Fusion-Projekt Gamak irgendwie zu ignorieren schien und sich in einem, wie es im Programmheft hieß Funk-Jazz-Fusion New Yorker Prägung mehr verlief, als dass das musikalisch prägende Eindrücke hinterließ und Günter Baby Sommers Hörmusik als Schlussakkord, begegneten sich facettenreiche Jazzwelten.

WDR-Jazz-Preisträger der Vorjahre wie Sebastian Sternal (p) mit seinem Trio und die diesjährigen Preisträger Mathias Bröde als miscellaeous musician (Mundharmonika) in der Kategorie „Jazz-Improvisation“ sowie der Komponist Ansgar Striepens in der Kategorie „Jazz-Kompositionen, der seine Komposition Portrait of Helmut Jacoby mit der WDR Bigband Köln im Konzert spielte, nutzten die Bühnen im Klaus-von-Bismarck-Saal  und im Kleinen Sendesaal ebenso wie das junge Offshore Quintett um den Vibrafonisten Dierk Peters um ihre Jazz-Duftmarken zu setzen.

Anders als bei vielen anderen Jazzfestivals waren Konzerte von Bigbands an jedem Festivaltag eine feste Größe. Mithin eine seltene Gelegenheit eine weitere Nagel- respektive Hörprobe zu machen. Im Vergleich mit den eher kammermusikalisch spielenden Trios, Quartetts, Quintetts oder gar im Solospiel überdecken mitunter gewaltige, sich übereinander türmende, tönende Soundflächen eines orchestralen Spiels instrumentale Feinklänge. Auch orchestrierte Soli, wohlklingende Arrangements vermögen nicht immer einem vordergründig bombastischen Klangeindruck zu minimieren.

Selbst ein so sportiv agierender und sensibel spielender Pianist wie Stefano Bollani schien sich im Konzert mit der NDR Bigband wie an einem Bollwerk abzuarbeiten. Die Bigband spielte Kompositionen von Bollanis I Visionari Project, die Geir Lysne für die Bigband arrangiert hatte. Auch wenn Bollani betont, dass Lysne seine Kompositionen so re-komponiert hat, wodurch auch ich eine neue, überraschende Sicht auf meine eigene Musik bekommen habe, so blieb es ein Statement, dass im Konzert nicht hörbar wurde.

Vielleicht sind solche Irritationen des Hörens notwendige Eckpunkte, Jazz als eine der kreativsten Musiken hörbar zu machen. Und Kontraste, wenn sie im Festivalprogramm bewusst gesetzt sind, wie zum Abschluss mit Sommers extravagant exzentrisch expressiver Hörmusik, dann können wir auch weiterhin der WDR3-Jazzredaktion vertrauen, uns über den Stand der Jazz-Dinge prominent und aktuell auf dem Laufenden zu halten.

 Photo streaming WDR 3-JazzFest 2013

12.02.2013

 

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Über Peter E. Rytz Review

www.rytz.de
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