Mit Céline Rudolph & Band im Grillo-Theater Essen 2013 frohgestimmt verabschiedet

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Das hat inzwischen Tradition im Grillo-Theater Essen. Jazz zum Jahresabschluss ist kein beliebiger Kehraus. Das abschließende Jazzkonzert als Ausrufezeichen und Weckruf eines reichen Kulturlebens in Essen zugleich. Auch wieder 2013. Nach dem hippiesken Bühnensturm der  Erika Stucky 2012 beschloss am vorletzten Tag des Jahres 2013 Rudolph Céline in eher stillen und nachdenklichen Chansons, Liedern und Jazz-Adaptionen diesmal das Jahr. Melancholie und Liebeszauber waren die Wellenlängen, auf denen sich das Publikum im bis auf den letzten Platz gefüllten Grillo-Theater begeistert forttragen ließ.

Nüchtern und formal war Céline Rudolph mit Band angekündigt worden. Man konnte das als irgendwelche, irgendwie sich für diesen Gig zusammengefundene Musiker lesen. Zum Glück entpuppten sich hinter der Bezeichnung Band hoch motivierte Musiker, die nicht nur ihr Musikhandwerk exzellent verstanden, sondern die in fein abgestimmten Tunes  Rudolph‘ Eigenkompositionen und ihre gecoverten Chansons in interessanten Arrangements zum Klingen brachten. Interessant insofern, als die Bass- und Melodielinien von mehr oder weniger bekannten Songs durch Takt- und Zeitmaß-Variationen nicht sofort eingängigen Mitsumm-Mustern folgten. Durch arrangierte Verzögerung des ihnen innewohnenden  Wiedererkennungshorizonts wurden eigentlich vertraute Songs in Songs mit einem neuen Klang-Outfit verwandelt. Dass das musikalisch überzeugend und einschmeichelnd stimmig gelang, dafür gab die Band mehr als nur das üblicherweise sogenannte Beste. Der Spaß an der Arbeit sprang als Funke auf das Publikum nach wenigen Minuten über. Und verzauberte Viele in  den folgenden mehr als zwei Stunden.

Der umtriebige Bassist Marc Muellbauer, in der deutschen Jazzszene als ständiger Begleiter in den Musikformationen der Pianistin Julia Hülsmann bekannt geworden, forcierte zusammen mit dem ebenso eloquent wie engagiert seit einigen Jahren mit eigenen Projekten die Jazz-Szene aufmischenden Schlagzeuger Eric Schäfer (zuletzt mit einem Richard-Wagner-Projekt Who is afraid of Richard W.? und aktuell im Trio von Michael Wollny auf der CD Wunderkammer XXL zu hören) den Drive, auf dem Céline Rudolph mit ihrer erotisch sedimentierten Stimme Klangräume unterschiedlicher Ausstattung  erkundete. Der vierte Musiker in der Band, der Pianist Tino  Derado spielte minimalistisch phrasierend, ohne deutlich eigene Akzente zu setzen.

Céline Rudolph ist mit ihrer Musik als geborene Wanderin zwischen den Welten (französisch-deutsche Eltern) ständig auf der Suche nach dem ihr eigenen Ausdruck der Kulturräume, die sie geprägt haben. Das Konzert an diesem Abend wurde so unter der Hand zu einer kleinen Hommage an den großen französischen Chansonier Henri Salvador. Die feinsinnigen Lyrismen, die seine Musik ausmachen, versuchte Rudolph auch in eigenen deutschen Übersetzungen auf die Spur zu kommen. Während ihr das bei Salvador hörbar unter die Haut gehend gelang, fehlte den brasilianischen Musik-Ausflügen ein wenig der musikalische Pepp.

Den vielen freudig erregten Gesichtern konnte man allerdings entnehmen, dass Céline Rudolph den Ton mit ihrer Band gefunden hatte, um vom zu Ende gehenden Jahr, versöhnlich und froh gestimmt, Abschied zu nehmen.

02.01.2014

photo streaming Céline Rudolph & Band

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Über Peter E. Rytz Review

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