La Venexiana schüttete mit L’Orfeo von Claudio Monteverdi zum Auftakt von KlangVokal Musikfestival Dortmund 2014 ein Füllhorn mit Glückshormonen in der St.Reinoldikirche aus

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Als Claudio Cavina mit der Moresca, einer derben, volkstümlichen Variante der Courante die konzertante Aufführung L’Orfeo von Claudio Monteverdi in der St. Reinoldikirche Dortmund schwungvoll beendete, war noch lange nicht Schluss. Mit einem für einen Kirchenraum ungewöhnlich enthusiastischem Beifall ließen die Konzertbesucher ihrer Freude frei Lauf. Überall strahlende Gesichter als wären sie gerade aus einem süßen Traum erwacht. Aber es war kein Traum. Der Traum von der Suche nach dem Glück war Musik-Wirklichkeit geworden. Das Credo des diesjährigen KlangVokal Musikfestivals Dortmund Von der Suche nach Glück hatte schon mit dem Auftakt-Konzert in einer ungemein überzeugenden Interpretation von Monteverdis L’Orfeo durch das italienische Ensemble La Venexiana einen Königsweg dahin gefunden.

In den Beifall hinein wiederholte La Venexiana die Moresca als triumphalische Begleitmusik für ein exzellentes Solisten-Ensemble, die sich immer wieder mit sichtlicher Freude dem Beifall stellten. Wob sich schon während der Aufführung, je länger sie dauerte, ein Band von glückseliger Resonanz von der Bühne vor dem Altar in das weitläufige Kirchenschiff zu den Zuhörern, so war am Ende ein gemeinsames Glücksband der Emotionen und Gefühle geknüpft.

Claudio Cavina unternimmt seit der Gründung 1996 von La Venexiana mit jedem Konzert den Versuch, durch musikhistorische Rekonstruktion von Sprache und Musik, von Wort und Takt eine subtile Klangkultur hörbar zu machen. Monteverdi hat sich eindeutig zu den Absichten seiner Kompositionen geäußert: Musik dient dem Text, der Geschichte – also der Sprache. La Venexiana hat diesen Anspruch mit dem Namen programmatisch formuliert. Abgeleitet vom Namen eines heute vergessenen italienischen Schauspiels, in dem das Hochitalienischem gemeinsam mit verschiedenen Dialekten kulturelle Rituale ungewöhnlich zum Ausdruck brachten, ist La Venexiana immer wieder auf neuen, mitunter ungewöhnlich anmutenden Wegen unterwegs, um die Ohren ihrer Zuhörer zu öffnen. Und sie mit ihrer Interpretation von Musik der Renaissance und des Barocks in einem erweiterten Kontext der sogenannten historischen Aufführungspraxis auf dem Weg zur Suche nach Glück mitzunehmen.

Dass sich das Venexiana-Glücksversprechung mit einem Füllhorn voller Glückshormone unpathetisch aber mit einer emotional tief gefühlten Ehrlichkeit über sie entladen würde, hatten viele Konzertbesucher an diesem Abend in der St. Reinoldikirche vorher selbst wahrscheinlich nicht für möglich gehalten. Ein solches unmittelbar unter die Haut gehendes Harmoniegefühl, dass Herz, Kopf, den ganzen Körper erwärmt, ist ein sicheres Unterpfand für ein nicht so schnell zu vergessendem Konzert, das noch lange nachklingen wird.

Fern von einer vordergründig inszenierten Gefühlsseligkeit bringt diese Musik etwas zum Klingen, das manchmal lange tief verborgen in manchen von uns schlummerte. Das Aufscheinen des wahren Schönen. Den Schlüssel zum Aufschließen hatte Claudio Cavina nicht nur mit seinem harmonisch exzellent abgestimmten Ensemble in der Tasche. Das Solisten-Ensemble war nicht nur quantitativ groß sondern einfach großartig. Zwei Schlüssel passgenau für ein Tor, die den Monteverdi-Klangraum öffneten. Die Erzählung der mythologisch überhöhten Leidensgeschichte von Orpheus und Eurydike kommentiert und transportiert mit Monteverdis Komposition, die mit ihrer Uraufführung 1607 eine Operntradition begründete, die bis zu Giuseppe Verdis Opernkompositionen im 19.Jahrhundert führt.

Unter den von Cavina nicht nur mit musikalischer Empathie begleiteten, dabei taktgebend mitsingend eher sensibel geleiteten Solisten war die Gesangskultur, mit der der Tenor Anicio Zorzi Giustiniani den Orfeo sang, von besonders strahlender Schönheit.

Umrahmt von einer Lichtgestaltung, die den Altarraum anfangs hellgrün, über ein Blau die blaue Stunde der Romantik streifend bis zum dramatischen Rot, als Orpheus erkennen muss Ewigen Ruhm aber verdient nur der, der sich selbst besiegt bis zum hellgrünen Hoffnungsabschied – Noch weißt Du nicht, dass hier unten Heiterkeit und Unglück nichts bedeuten. –, entwickelte der konzertante L’Orfeo eine nachhaltige, suggestive Kraft.

Eine bessere Vorgabe für Von der Suche nach Glück hätte das KlangVokal Musikfestival Dortmund 2014 kaum finden können. Auch das gehört zum Glück.

 

23.05.2014

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Über Peter E. Rytz Review

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