Anspruch und Wirklichkeit in den Fotografien von Eve Arnold

 eve arnold

Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen mag von manchen Kunstausstellungs-Junkie ignoriert oder von ihm nur vom Rand seines Blickfeldes aus oberflächlich wahrgenommen werden. Schaut man allerdings genauer hin, entpuppt sie sich als ein Ausstellungsort, der ihn zu entdecken in mehrfacher Hinsicht lohnt.

Es sind nicht allein die Ausstellungen der letzten Jahre, die die Bandbreite fotografischer Perspektiven (Weegee – The Famous in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, Kritik vom 02.06.2013oder HAIR! – Eine Kunstausstellung in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, in der man sich nicht wirklich die Haare raufen kann, Kritik vom 14.10.2013) zeigen sowie künstlerischen Arbeiten, die zum Kanon der Kunstgeschichte gehören (Bleibe einfach Du selbst! meint Andy Warhol – Andy Warhol-Pop Artist in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, Kritik vom 22.01.2014) sie unter bisher weniger ebachteten Aspekten ausstellen. In der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist ein Team-Spirit zu spüren, der wie ein frischer Wind durch die Ausstellungsräume weht.

Der dafür hauptverantwortlichen Macherin per Funktion, der Direktorin Dr. Christine Vogt geht es mit dem Ausstellungsprogramm selbstverständlich auch um Generierung von Aufmerksamkeit. Für Kunstausstellungsräume ohnehin ein Muss. Dabei verlässt sie sich, und das ist das eigentlich Bemerkenswerte, nicht nur auf ihre eigene kuratorische Kompetenz. Sie gibt mit großem Vertrauensvorschuss ihren Volontärinnen die üblicherweise eher rare Chance, Ausstellungen eigenverantwortlich zu kuratieren. Dass das klappt und wie das klappt, zeigte der hohe Besucherzuspruch der von Meike Allekotte eingerichteten Ausstellung Andy Warhol-Pop Artist.

Jetzt bekam eine weitere Volontärin, Julia Austermann ihre Chance. Und sie nutzte sie, als hätte es bei der jetzt eröffneten Ausstellung Eve Arnold – Eine Hommage an die große Magnum-Fotografin (noch bis 7.September 2014) unter magnum gar nicht anders sein können. Während der Presseführung durch die Ausstellung überzeugte Austermann vor den einzelnen Arbeiten durch einen kompetent kommentierenden Duktus ihrer Hintergrundinformationen, die eine hohe Identifikation mit den Foto-Arbeiten von Eve Arnold erkennen ließen. Arnolds Credo Das Instrument ist der Fotograf, nicht die Kamera. stellte die junge Kuratorin ihrem die Ausstellung begleitenden, informativen Textbuch voran und gibt damit eine programmatische Vorgabe, die sich in der Ausstellungskonzeption überzeugend widerspielgelt.

Geht man chronologisch durch die Ausstellung, begegnet man mehr als 60 Jahre eine Geschichte der Weltkulturen. Angefangen bei den Backstage-Fotografien einer Modenschau in der Abyssinian Baptist Church in Harlem (1950), bei denen immer mitzudenken, dass sich Arnold als weiße Frau traute (und akzeptiert wurde!) in einem damals fast ausschließlich von Schwarzen bewohnten Ghetto-Bezirk zu fotografieren, über die fast 10 Jahre andauernde Begleitung von Marilyn Monroe (vgl. Am Set von The Misfits, Nevada, 1960) sowie die frühen Reisen nach Asien, wo sie mit der Buddha-Statue von Bamiya (2001 von militanten Taliban zerstört) eine fotografische Dokumentation schuf. Und immer wieder fotografierte sie in sozial, politisch und kulturell brisant aufgeladenen Regionen, anteilnehmend am Schicksal derer, die vor ihrer Kamera bereit waren, ihrer Gesicht zu zeigen (Südafrika 1973 in der Hoch-Zeit der Apartheid-Politik; Malcom X und The Nation of Islam, um 1960).

Wunderbar in der Ausstellung zu sehen, mit welchem die Sache, respektive Person konkret (aus)zeichnenden Blick sie mit der Kamera zeichnete (Braut, Hindukusch, 1969). Ihre Sympathie und Empathie für die Fotografierten ist in jeder einzelnen Fotografie spürbar. Verhüllte Gestalten als Frauen kenntlich machen, war so ein ambitionierter Anspruch. Es blieb nicht beim folgenlosen Anspruch. Er wurde von Arnold fotografisch authentisch gestaltet (Reportage hinter dem Schleier, 1969 – 71).

Hat man sich in der Ausstellung staunend mit Respekt ein umfangreiches Bild ihrer fotografischen Arbeiten verschafft, ist man überrascht, wie zierlich und zerbrechlich Eve Arnold in einem Video-Interview aus den 2000ger Jahre zu sehen ist (sie starb 2012 kurz vor ihrem 100.Geburtstag!). In der Ausstellung gibt es zwar ein Foto von ihr bei der Arbeit (Robert Penn, Eve Arnold am Set von Beckett, England 1963), aber ein Bild ihrer faszinierenden Persönlichkeit, wird erst mit der Video-Dokumentation facettenreich ausgeleuchtet. Fast beiläufig zu Beginn des Interviews ihr Statement: Photography is my universum. That’s, what I’ve skillfully. Ihre Stimme, klangschön alt-temperiert, ist wie die Ton gewordene Ergänzung zu ihren Fotografien.

Eve Arnold in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen in Kooperation mit MAGNUM PHOTOS ist eine Ausstellung, die nicht ignoriert werden kann. Die Macht und Kraft von Arnolds Fotografien haben eine historische, kulturgeschichtliche Bildungsdimension und eine optisch ästhetische Qualität, von der schwer vorstellbar ist, nicht von ihr berührt zu werden.

01.06.2014

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Über Peter E. Rytz Review

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