Prometheus meets Jazz mit Nik Bärtsch & Sha im Sommerpavillon Rietberg Zürich

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Wenn die Idee des japanischen Zen auf die griechische Mythologie in der Figur des Prometheus trifft, was passiert da? Was ist an Zen prometheisch? So viele Frage am Anfang. Viele Fragen auch am Schluss offen. Können nur offen bleiben: Das Sein im Jetzt, im Heute ist die eine Haltung, die schon alles ausmacht. Jeder muss sie selbst finden.

Der Pianist Nik Bärtsch schafft seit Jahren Klangräume, die zwischen Jazz und minimal music verortet und zen-buddhistisch fokussiert sind. Im Rahmen von Festspiele Zürich: Prometheus – Entfesselung der Kräfte spielte er zusammen mit Sha (Kontrabassklarinette) im Sommerpavillon Rietberg in Zürich. Angekündigt als meditativer Minimal Funk (?), zelebrierten sie einen musikalisch ritualisierten Groove als Erkundung einer buddhistisch inspirierten Balance.

Die nach dem Prometheischen gestellte Frage, beantwortete Bärtsch mit der Aufforderung, zu hören, zu fühlen, sich zu öffnen und die Musik in sich einzulassen. Sie gleichsam zu atmen. So eingestimmt, improvisierte er in konzentrierter Aufmerksamkeit am Klavier, Sha animierend und dem dialogischen Ton lauschend, um selbst auf ihn zu reagieren. Angetrieben von Zäsuren, von betonten Übergängen mit einem ausatmenden Om.

Dem mit verschiedenen (Stoff)Materialien sequentiell gedämpften Klavier sowie durch den Einsatz von Schlegeln und rhythmischen Anschlagen des Holzrahmens entlockte Bärtsch ihm Klänge, die eine perkussive Anmutung hatten. Sha sog gleichsam die harmonisch gebrochenen Strukturen in seine Bassklarinette und verwandelte sie mit einer artifiziell differenzierten Zirkularatmung zu kontemplativen Tonvolumina. Es entstanden fein ziselierte Arabesken, die als musikalische Dialogen von sinnlich emotionaler Tiefe hörbar wurden. Musik-Kaskaden (be)rauschten, fluteten in rhythmischem Fliessen durch den Sommerpavillon.

Dem Spiel von Bärtsch und Sha ist eine asketisch minimalistische Aura eigen, die sich in ihrer Konzentration nach innen, den Tönen nach zu lauschen unmittelbar auf die Zuhörer überträgt. Meditative Selbstversunkenheit eingeschlossen.

Die Leichtbauweise der temporären Erweiterung der Wesendonck-Villa, seit letztem Jahr durch den japanischen Architekten Shigeru Ban (Pritzker-Preisträger 2014) konstruiert, schafft einen natürlichen, transitorischen Übergang in den Park. Vogelstimmen nah, Alltagsgeräusche fern, vermischen sie sich immer wieder zu kontrapunktischen Kommentaren.

Als zum Ende des Konzerts die Außenhaut des Sommerpavillons durch die ersten Windböen eines herannahenden Gewitters selbst zum Klangkörper wurde, konnte man den Eindruck haben, als würde ein prometheischer Kraftimpuls einen musikalischen Zen-Kosmos aufbauen.

07.07.14

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Über Peter E. Rytz Review

www.rytz.de
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