Reinhold Messner rief, wie ihn die Berge gerufen haben – und viele kamen

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Der Berg ruft. Viele Bergsteiger folgen diesem Ruf seit mehr als 200 Jahren. Reinhold Messner folgte ihm schon als 5jähriger Bub an der Seite seines Vaters zu ersten Aufstiegen in den Dolomiten. Er wird ihn dann schon in jungen Jahren auch auf das Matterhorn führen. Dorthin, wo der 1937 gedrehte Film Der Berg ruft die Erstbesteigung eben jenes Matterhorns beschreibt. Diesem Ruf folgt Messner, inzwischen 70jährig bis auf dem heutigen Tag.

Wenn Reinhold Messner selbst ruft, auch abseits der Berge, folgen ihm viele. Wie am Sonnabend im Theater am Marientor in Duisburg zu erleben war. Immer wieder begibt er sich in bergferne Regionen, um über seine Erfahrungen am Berg und vom Wert des Bergsteigens überhaupt zu sprechen. Dafür hat er eine Trinität des Lebens formuliert: Üb Leben – ÜberLeben – Über Leben. Verbunden mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für ein Gleichgewicht von Naturraum und Kulturraum. Er ist davon überzeugt, dass das nur gelingen kann, wenn einerseits ein geordneter Bergtourismus kultiviert bejaht und andererseits Regionen über einem bestimmten Höhenniveau davon verschont bleiben.

Entsprechend verband er seine Erzählungen von spektakulären Gipfelbesteigungen in den 1970/1980ger Jahren und den dann folgenden Durchquerungen von Wüsten und der Antarktis – ich bin von der Vertikalen in die Horizontale gegangen – mit Aktivitäten seiner Stiftung. Von Schulbauprojekten im Himalaya bis zu seinen Museen, die die Kulturgeschichte des Bergsteigens und von Regionen fernab westlicher Zivilisation erzählen.

Messner erzählt keine Heldengeschichten. Alles was ich gemacht habe, ist gesellschaftlich eigentlich nicht zu rechtfertigen. Aber er rechtfertigt sein Tun allein für sich selbst mit seiner Motivation das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. An solchen Stellen seiner Erzählungen konnte man miterleben, wie der Übergang zu philosophischen und ethischen Reflexionen in einer frappierenden Selbstverständlichkeit passierte. Keine intellektuellen Fingerübungen, sondern Versuche etwas von dem auszudrücken, was das sein könnte, wenn von einem gelingendem Leben die Rede ist. Oder vom Glück, dass man nicht aus entsprechenden Ratgebern lernen kann: Das können Sie alles vergessen. Das ist Humbug! Glück erfährt man, so seine Überzeugung, wenn man sich den tibetischen Berggruß Kalipe zu eigen macht: Immer ruhigen Fußes. Entscheidend ist, dass man sich auf den Weg macht und geht. Wichtig das Erleben; unwichtig wie schnell.

Sein Abenteurer-Charisma gepaart mit dem Charme des authentischen Erzählers ließen die zwei Stunden plus 20 Minuten Pause wie im Flug vergehen. Am Ende war überall nur Freude in den Gesichtern der Zuhörer zu sehen – und vom aufmerksamen Zuhören rot glühende Ohren.

 09.11.2014

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Über Peter E. Rytz Review

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