Ein Elias in der Philharmonie im Gasteig mit Einschränkungen

© Philharmonischer Chor München

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Wenn jemand vor Konzertbeginn mit ernster offizieller Miene das Podium betritt, wird es in der Regel unruhig im Publikum. So auch geschehen am vergangenen Sonntag in der Philharmonie im Gasteig in München vor der Aufführung des Oratoriums Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy mit den Münchner Philharmonikern unter Andrew Manze. Der Bariton Michael Volle sei erkältet, werde aber trotzdem singen, hieß es.

Dass solche Bereitschaft nobel und mit Respekt anzuerkennen ist, steht außer Zweifel. Gleichzeitig verpflichtet sich damit jede kritische Haltung unter dem Hinweis „indisponiert“ mehr oder weniger zu einer gewissen Rücksichtnahme. Man konnte auch bei allem Wohlwollen für die missliche Situation deshalb skeptisch sein, weil Volles Partie die quantitativ umfangreichste und gestalterisch sowie gesanglich die anspruchsvollste ist. Obwohl seine Stimme an wenigen Stellen der Indisposition hörbar Tribut zollen musste, überzeugte er in der Rolle des alttestamentarischen Propheten Elias von den Solisten noch am ehesten.

Die Klangfarbe von Michael Volles Bariton (bis Bassbariton) hat eine warme Leuchtkraft. Davon war trotz alledem an diesem  Abend viel zu hören. Er sang mit sonorer Noblesse auch da, wo sich Elias gegen die Anschuldigungen des Volkes und die Baalpriester energisch und widerständig durchsetzen musste. Das kraftvoll Strahlende seiner Stimme setzte mit der Arie Ist nicht des Herren Wort wie Feuer und wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt? im ersten Teil des Oratoriums schon eine markante Zäsur.

Im Unterschied zu Volle sangen Daniela Sindram (Mezzosopran) und Christian Elsner (Tenor) in ihren relativ wenigen Einsätzen, unterbrochen von langen Wartezeiten, solide, aber unauffällig. Allein Sally Matthews Gesang war merkwürdig bindungslos. Ihr schien vor allem im ersten Teil das Timing mit den Münchnern Philharmonikern zu fehlen. Ihrem Sopran fehlte mitunter eine tonale Leichtigkeit und Ausgewogenheit.

Die bei Matthews besonders auffälligen Probleme mit der orchestralen Abstimmung, die auch bei den anderen Solisten spür- und hörbar waren, haben viel mit dem Dirigenten Andrew Manze zu tun. Er dirigierte mit einer überproportionalen  Chor-Orientierung. Das Orchester war sich häufig selbst überlassen.

Zweifellos ist in der Elias-Partitur häufig Fortissimo gefordert. Aber manche von Manze geforderten Tempi trieben das Orchester geradezu auf die Taktenden zu, um unterbrechungslos weiter zu stürmen. Gerade bei den Übergängen zu den solistischen Einsätzen kam es dann zu sich überschneidenden Klangbrechungen. Klare Tondifferenzierungen verschliffen sich.

Es mag sein, dass die jetzt wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückten akustischen Probleme in der Philharmonie im Gasteig damit zu tun haben. Aber in Kenntnis dieser Situation sollte die jeweilige Aufführungspraxis sich damit arrangieren können.

Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy ist ein Oratorium, das insbesondere dem Chor einen Teppich ausrollt, auf dem er zeigen kann, was er kann. Der Philharmonische Chor München, von seinem langjährigen Chorleiter Andreas Herrmann hervorragend eingestimmt, nutzte diese Chance mit Bravour. Er war die überzeugende musikalische Kraft des Abends. Die Früchte von Herrmanns Arbeit mit dem Chor fielen den Zuhörern im Gasteig mit differenzierter Klangfülle ins Ohr. Das Dramatische in Baal, Erhöre uns! wie auch das Lyrische in Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen ließen alle akustischen Probleme für den Moment vergessen.

Hätte der Philharmonische Chor München mit seinen eindrucksvoll zu hörenden temperierten Artikulationen und Abstimmungen zwischen den einzelnen Stimmlagen nicht derart überzeugend gesungen, wäre es nur ein schönes Konzert unter vielen geblieben. Ohne nachhaltig in Erinnerung zu bleiben. So dankte das Publikum dem Chor zu Recht mit jubelndem Applaus.

14.04.2015

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Über Peter E. Rytz Review

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