American Pop – Originale, doch keine Unikate: Trotzdem Kunst

Robert Indiana, LOVE, 1967 © Morgan Art Foundation; ARS, New York; VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Robert Indiana, LOVE, 1967 © Morgan Art Foundation; ARS, New York; VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Private Sammlungen, die in der Regel mit öffentlich geförderten Mitteln in Kunstmuseen ausgestellt werden, erreichen eine breite Öffentlichkeit. Häufig liegt dabei der Verdacht in der Luft, dadurch auch zu ihrer Wertsteigerung beizutragen. Diese Ausstellungen sind deshalb, wenn auch nicht direkt nachweisbar, grundsätzlich problematisch.

Für die Sammlung von Heinz Beck, die mit American Pop Art – Meisterwerke massenhaft in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen ist (noch bis 16. Mai 2016), trifft das eher weniger zu. Sein Konvolut besteht aus ars multiple, massenhaft produzierten Arbeiten. Originale, doch keine Unikate. Nicht das singuläre Original zu adeln, sondern es beispielsweise durch Siebdrucke mehr oder weniger beliebig zu vervielfältigen oder Alltagsobjekte in der Nachfolge von Marcel Duchamp zu Kunst zu erklären, hatte sich die Pop Art auf die Fahne geschrieben. Demokratisch in der Perspektive gewendet, dass jeder Kunst erwerben könne. Beck hat im Blick auf die 2.600 umfassenden Stücke seiner Sammlung vorwiegend aus den 1960ger und 70ger Jahren damit kokettiert, dass er nie mehr als 3.000.– DM ausgegeben hätte.

Durch die Ausstellung in Oberhausen weht dementsprechend der Wind Kunst für alle. Vielleicht nur ein unmaßgebliches Gefühl beim Rundgang: Hätte man damals auch ein paar Hunderter übrig gehabt, wäre eine eigene Sammlung möglich gewesen. Obwohl diese Möglichkeit nur wenige genutzt haben, baut sich die ehrfürchtige Distanz, die einem sonst schon mal bei hochkarätigen Blockbuster-Ausstellungen beschleichen kann, nicht auf. Es ist eher das Gefühl einer Teilhabe an American Pop Art – Meisterwerke massenhaft.

In diesen frühlingshaften, doch noch meist regnerischen Tagen im kalendarischen Winter sind Ausstellungsbesucher mit einem entspannten, amüsanten Schmunzeln vor Mel Ramos‘ erotisierenden Siebdrucken zu sehen. Konsumgüter, mit sinnlicher Weiblichkeit zu bewerben, schließt sich nicht aus, wie die Comics zitierenden Siebdrucke von Roy Lichtenstein mit ihren trivial hinterlistigen Texten, bürgerliche Ernsthaftigkeit überblenden.

In jenem Kontext wird unter der Hand gleichzeitig ein wesentlicher Sammlungsbestand der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen deutlich. Nicht ohne Stolz hat die Direktorin Dr. Christine Vogt das Blatt Apollo (1970) von Lowell B. Nesbitt aus dem Oberhausener Sammlungsbestand neben das gleiche Blatt aus der Beck-Sammlung gehängt.

Solche unmittelbaren Dialogangebote geben Kunstausstellungen einen besonderen Reiz. Geometric Mouse, Scale D (1971) von Claes Oldenburg kann die Synapsen desjenigen sensibilisieren, der die Arbeit in letzter Zeit als Skulptur in Philadelphia gesehen zu haben meint, ohne selbst dort gewesen zu sein. In der von Arte produzierten Dokumentation Kaspar König zu Besuch im Atelier folgten König und Oldenburg der Formwerdung der Geometric Mouse bis nach Philadelphia. Medienkunst als öffentlich-rechtliches Bildungsangebot, das so eine Brücke auch nach Oberhausen baut.

Wenn American Pop Art – Meisterwerke massenhaft weiterhin auch noch Bezüge und Assoziationsebenen zu anderen Ausstellungen herstellt, beabsichtigt oder nicht, wirkt sie nachhaltig. Jime Dine, mit About the love of printing bis Ende Januar im Museum Folkwang Essen druckgrafisch umfassend zu sehen (Jime Dines Herzen erobern die Herzen der Ausstellungsbesucher, vom 19.12.2015 daselbst), ist mit Eleven Part Self-Portrait (Red Pony) von 1965 nur eine kleine, aber wichtige Signatur in Oberhausen. In Seven Objects in a Box (1996) zieht er mit Lichtenstein und Oldenburg gemeinsam eine wichtige Pop-Linie durch die Kunstgeschichte.

Wer sich mit The German Love von Robert Indiana in seiner Neugier anstecken lässt, dem bietet sich ein weites Feld, um der kulturellen und politischen Aufbruchsstimmung aus der Entstehungszeit der Arbeit 1967 bis heute nachzuspüren. Massenhaft möglich und trotzdem original kann die Ausstellung auch Mut machen, selbst etwas auszuprobieren.

photo streaming American Pop

25.02.2016

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Über Peter E. Rytz Review

www.rytz.de
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