Collect the sound & more

Luc Houtkamp (sax), Dieter Manderscheid (b), Conny Bauer (tb), Martin Blume (dr) @ Peter E. Rytz 2016

Luc Houtkamp (sax), Dieter Manderscheid (b), Conny Bauer (tb), Martin Blume (dr) @ Peter E. Rytz 2016

Im Kunstmuseum Bochum ist noch bis zum 5. Februar 2017 die Ausstellung Baustelle Kunstmuseum: Sammeln, Sammeln, Sammeln zu sehen. Sie stellt mit ihrem Leitgedanken – Ein Museum ist keine starre Institution, sondern ein lebendiger Organismus, der von den örtlichen Energien gespeist wird und diese zu neuen Impulsen umwandelt. – eine auf den ersten Blick überraschende Verbindung mit der Reihe Klangbilder – Zeitgenössischer Jazz und Improvisierte Musik im Kunstmuseum Bochum her.

Im Jazz werden musikalische Energien, die sich solistisch im Dialog paraphrasierend oder improvisierend einzelner Musiker entwickeln, zu neuen Impulsen gebündelt. Das macht die Lebendigkeit von Jazz und improvisierter Musik aus.

Das Konzert mit Luc Houtkamp (sax), Dieter Manderscheid (b), Conny Bauer (tb) und Martin Blume (dr) ist dem im Mai dieses Jahres erst 62jährig verstorbenen Posaunisten Johannes Bauer gewidmet. Diese Musiker kann man als Stellvertreter für the inner circel des Menschen und des Musikers Johannes Bauer ansehen. Dass Johannes Bauer wie sein mehr als zehn Jahre älterer Bruder Konrad mit der Posaune zum gleichen Instrument griff, ist an sich schon ungewöhnlich. Dass sie dann ab 1988 mit ihrem Duo Doppelmoppel auch musikalisch gemeinsame Wege gegangen sind, spricht für eine Resonanz ihres Ausdruckswillens, der aus familiären Hintergründen nicht zwangsläufig sein muss.

In der Biografie von Johannes Bauer steht Doppelmoppel exemplarisch für seine rastlose Suche nach Musikern, die mit ihm Kraft und Energie in neue musikalische Impulse zu bündeln.  1997 gründete er zusammen Houtkamp, Manderscheid und Blume mit FOURinONE die Gruppe, die jetzt im Bochumer Konzert in memoriam Johannes Bauer mit Conny Bauer an seiner Stelle den Sound sammelt, dem sie über zehn Jahre auf der Spur waren.

Collect the sound, so die Ankündigung des Konzerts, die die Geschichte von  FOURinONE mit der aktuellen Ausstellung auf ingeniöse Weise verbindet. Die verbliebenen FOURinONE-Musiker plus Conny Bauer zelebrieren ein dialogisches Miteinander, von dem man annehmen könnte, es wäre nie anders gewesen.

Houtkamp wirft mit überblasenen Akkorden den Hut in den Ring. Manderscheid nimmt sie auf. Wendet und verdreht sie in motivische Basslinien, die sich Conny Bauer auf seine unnachahmliche Weise zu eigen macht. Er interveniert mit kraftvollen, energetisch pulsierenden Improvisationen. Sein Posaunenton zerbröselt  gleichsam die melodische Grundierung in expressive Intervalle von Höhe und Tiefe. Blume zentriert als geborener elder statesman of FOURinONE an den Schlagwerken für Momente den Sound, sammelt und bündelt ihn mit kontrastierenden Kommentaren, um ihn wieder ins freie Feld der Improvisation zurück zu geben.

Mit wechselnden Akzenten entspinnen sich in Soli, Duetten, Terzetten und Quartetten opulente Klangfarben. Anfangs introvertiert gestimmte Soli gehen in lyrische Nachdenklichkeit über. Oder sie haben sich in einer fragenden Fragilität verstrickt, die gemeinsam mit den anderen Musikern an neuen, rettenden Ufern  aufgelöst  wird. Balladeske Dialoge bestimmen mit souverän gestalteter und geteilter Musikalität die zwei gespielten Sets. Während sie von dynamisch überbordenden Impulsen geprägt sind, zeichnen Luc Houtkamp, Dieter Manderscheid, Conny Bauer  und Martin Blume mit einer kurzen Zugabe eine kammermusikalisch intime Figur.

Collect the sound, eine Hommage á Johannes Bauer, die man sich in ihrer Selbstverständlichkeit jenseits vordergründig zelebrierter Trauer für jedermann nur wünsche kann.

13.12.2016
photo streamin Collect the sound

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Über Peter E. Rytz Review

www.rytz.de
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