Tango Sensations glittering

Winfried Holzenkamp, Friedemann Wuttke, Wlliam Sabatier © Peter E. Rytz 2017

Von goldenem Oktobersonnenlicht angestrahlt, glänzt das  Schloss Dätzingen in geradezu paradiesischer Pracht. Mit der untergehenden Sonne verlischt der Glanz draußen, er findet drinnen im Malteser Saal musikalisch seine Fortsetzung.

Der Kulturkreis Grafenau hat mit Tango Sensation ein reizvolles Programm mit Kompositionen von Tango-Maestro Astor Piazzola sowie Tango affin transkripierten Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi angekündigt. Und viele Besucher sind gekommen. Nur wenige Plätze bleiben frei.

Der schon wiederholt in der Dätzinger Konzertreihe aufgetretene Gitarrist Friedemann Wuttke hat mit dem Kontrabassisten Winfried Holzenkamp und William Sabatier mit dem Bandoneon ein Trio um sich versammelt, das mit seinem Spiel im Tango-Spirit den Glanz des Sonnenlichtes noch einmal musikalisch erstrahlen lässt. Das Konzert ist die harmonische Klammer von Licht und Schönheit des Klangs.

Kraftvoll eröffnet Wuttke mit Introducción von Piazzola, breitet  Sabatier einen Klangteppich aus, den jener zupackend mit emotionaler Verve weiterknüpft, um Holzenkamps dunkel modellierenden Kontrabass einzubinden. Gab es anfangs klangliche Ungenauigkeiten in der instrumentalen Abstimmung, die sich aus dem Hinweis erklären, dass sie als Trio in Dätzingen zum Auftakt einer kleinen Tournee zum ersten Mal in dieser Besetzung zusammen spielen, verflüchtigen sich diese Momente schon im folgenden Milonga.

In der wohldurchdacht konzipierten Konzertfolge gibt es immer wieder Gelegenheit, die Spielfreude im Trio, im Duo als auch solistisch zu bestaunen. Wuttke und Sabatier interpretieren Uno der Tango-Legende Mariano Mores (1918 – 2016) mit Witz und Esprit. Sabatier entpuppt sich als Ganzkörpermusiker. Er wiegt sich rhythmisch harmonisch mit den ausladenden Balgbewegungen des Bandoneons. Sein Körper bildet mit dem Corpus des Instrument eine skulpturale Einheit.

 Holzenkamp nutzt mit Piazzolas Contrabajeando nachhaltig die Gelegenheit, den solistisch gespielten Bass-Sound eindrucksvoll zur Geltung zu bringen.

Nach der Pause ehrt das Trio mit einer dunkel gefärbten Interpretation der Suite Five Tango Sensations den genialen Komponisten Piazzola. Diese Suite wird zum musikalischen Höhepunkt des Konzertabends – eine Hommage à Piazzola, der kurz Zeit nach der fertiggestellten Komposition 1992 verstarb.

Mit glänzenden Augen und strahlenden Gesichtern, auf Seiten der Musiker und auch des Publikums, genießen die Konzertbesucher nach heftigem Applaus die Restwärme dieses außergewöhnlichen herbstlichen Sonnentags.

16.10.2017

Veröffentlichung in: Sindelfinger/Böblinger Zeitung,21.10.2017

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Über Peter E. Rytz Review

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