Boom for Real

Foto: Peter E. Rytz 2018

In den 70er und 80er Jahren läuft ein junger Mann, Jean-Michel Basquiat, Kind haitianisch-puertoricanischer Einwanderer mit neugierigem Blick durch New York. Diese Stadt, die kurz vor dem finanziellen Kollaps steht und in der die Gewaltkriminalität außer Kontrolle zu geraten scheint, wird Basquiat zum Echo seines Selbst: SAMO as a conglomerate of dormant genious.

Foto: Peter E. Rytz 2018

Umgeben vom alltäglichen Chaos, setzt sich Basquiat diesem zur Wehr. Same old shit sprayt er unter dem Akronym SAMO gemeinsam mit seinem Schulkumpel Al Diaz Graffitis auf die Häuserwände. Surreal reflektierte Botschaften Boom for Real, die anders als die üblichen Graffiti-Trivialitäten Aufmerksamkeit in der künstlerischen Community in SoHo gewinnen.

Texte mit ihren ironisch aggressiven Subtexten wie SAMO? Do it…Have 2 spell ist out!! oder SAMO, another day, another dime, under cool, another way? Kill some time zeugen von einem impulsiven Aufbegehren gegen das scheinbar Normale.

Foto: Peter E. Rytz 2018

Der Rundgang durch die Ausstellung, durch Förderung der Art Mentor Foundation Lucerne ermöglicht und in Kooperation mit dem Barbican Centre, London von Dieter Buchhart und Eleanor Nairne als eine Expedition auf den Spuren von Basquiat entdeckungsfreudig kuratiert, vermittelt das Flair eines künstlerischen Aufbruchs in prekären Zeiten: The whole livery line bow like this with the big money all crushed into these feet

Foto: Peter E. Rytz 2018

Ob ihm seine Polemik, dass sich viele in ganzer Linie vor dem großen Geld verbeugen, von dessen Füßen sie zerquetscht werden, die ihm posthum angesichts der gigantischen Verkaufserlöse seiner Arbeiten vor die Füße fällt, den Künstler heute beschämen und resignieren ließe, lässt sich nicht sagen. Aber es gibt eine Ahnung davon, dass sich die Zeiten 30 Jahre nach seinem Tod nicht wirklich hin zum Besseren verändert haben.

Man spürt beim Wandeln durch die Basquiat-Welt, wie sein Œuvre mit dem kreativen Mix von Kunst und Party stilbildend sowohl in der bildenden Kunst als auch in der Musik bis heute wirkt. Graffitis und Objektkunst schlagen eine Brücke zu Malerei und Performance. Unter dieser Brücke entspringt eine Quelle aus Radiorecorder-Musik (boom box) und TV-Konsum, der Hip-Hop. Bilder und Worte mischen sich enzyklopädisch – nachzu-buchstabieren in seinen Notizbüchern, abzulesen in seinen Selbstportraits.

Da ist einer unterwegs, sich seiner Identität zu vergewissern und sich von den existentiellen Tiefschlägen des Alltags nicht niederwerfen zu lassen: Jimmy best on his back to the Suckerpunch. Suckerpunch, mit geschlossener Faust, tief ausatmend einen kraftvollen Befreiungsstoß ausführend, der den Gegner aus der Balance bringt und ihn in sogenannte Hündinnenbewegungen versetzt.

Foto: Peter E. Rytz 2018

Dass ihm das nur ansatzweise gelingen konnte, hängt mit seinem frühen Tod zusammen. Obwohl oder vielleicht gerade deshalb, weil er ein Unvollendeter blieb, markiert Basquiats Kunst eine enzyklopädische Zäsur in der Kunstgeschichte.

SAMO is dead, he mentally wrote on a wall, but the exihibition “Boom of Rea”l disclosed: Basquiat is not dead! Seine Botschaften weiter zu reflektieren, bleibt als sein Vermächtnis.

Foto: Peter E. Rytz 2018

Am Ende seines kurzen Lebens (1960 – 1988) hinterlässt Basquiat u.a. Zeichnungen, bemalte Objekte, Film- und Fotodokumente. Hunderte dieser Arbeiten sind in der Schirn Kunsthalle Frankfurt noch bis zum 27. Mai zu sehen.

15.05.2018
photo streaming Basquiat

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Über Peter E. Rytz Review

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