Nächster Halt Nirvana: Museum Rietberg Zürich

Buddha Shakyamuni (Detail)
Westliches Tibet, 12./13. Jahrhundert, Messinglegierung © Museum Rietberg, Dauerleihgabe Sammlung Berti Aschmann

Das Museum Rietberg Zürich im Entdeckerfieber. Wo in den Schauräumen sonst eher meditative Andacht vor den Ausstellungsobjekten herrscht, ist seit Dezember letzten Jahres aufgeregte Lebhaftigkeit zu beobachten. Die Ausstellung Nächster Halt Nirvana versammelt Groß und Klein zu einer Entdeckungstour: Annäherung an den Buddhismus.

In der Ausstellung angekommen, gibt es kaum noch ein Halten. Ausgerüstet mit einem Acht-Felder-Karton, gilt es, die in der Ausstellung versteckten acht magischen Glückszeichen des Buddhismus zu finden und sie mit einem entsprechend präparierten Stempel auf ein Kartonfeld zu prägen. Wenn man schlussendlich alle acht Zeichen gefunden, sie per Druck materiell dokumentiert hat, bilden sie ein mosaikähnliches Abbild dessen, was den Buddhismus ausmacht.

Durch sein aktives Handeln, seine spielerische Intervention wird der Ausstellungsbesucher unmittelbar zu seinem eigenen Geschichtenerzähler. Das mehrjährige Vermittlungsprojekt des Museums Kunst sehen – Religion verstehen verfolgt einen partizipativen Ansatz, der sich mit dieser Ausstellung als kunstpädagogischer Volltreffer erweist. Es reiht die acht Glückszeichen wie auf einer Perlenschnur, die bunt schillernd davon erzählt, wie sich praktizierende Buddhisten in der Nachfolge von Buddha verstehen.

Die Glückszeichen schaffen mit symbolischen Metaphern einen narrativ reflektierten Kosmos. Der endlose Knoten (1) bildet eine randlose Richtschnur, die den Fischen (2) furchtlose Freiheit schafft, um an jeden Ort gelangen zu können, den sie erreichen wollen.

Geschützt durch das Banner des Sieges (3) über alle schlechten Kräfte und Hindernisse, schafft der tiefe Klang des Muschelhorns (4) den buddhistischen Texten, zentriert durch das sie anstoßende Rad (5), eine klangästhetische Aura, die den Lotos (6) selbst im schlammigen Gewässer wachsen und dabei die Blütenblätter allzeit in vollkommener Reinheit sauber bleiben lässt.

Beschirmt (7) vor der brennenden Sonne als auch vor Krankheit und Dämonen, wird die Vase (8) der Erkenntnis nie leer. Sie garantiert den Menschen den Reichtum des Lebens.

Folgt man neben der Acht-Glückszeichen-Exkursion weiteren Zeichen in der Ausstellung, enträtselt sie, in dem man sich auf die Spur nach dem silbernen Schattenbild macht – und erlebt mit den mehr als 100 Ausstellungsobjekten fast beiläufig buddhistische Kunstgeschichte.

So wie man in den auffällig skulptural geformten Gesten eine buddhistische Bedeutungsgrammatik identifizieren kann, ornamentale Verzierungen beispielsweise Auskunft über die Stellung der Bodhisattva geben oder Buddha, gehüllt in markante Gewänder, als zentrale Verkörperung einer religiös verbrämten, asketischen Lehre charakterisieren, dechiffriert die Ausstellung eine Ontologie der Objekte und nähert sich dem Buddhismus sinnlich meditierend an.

Großen Zuspruchs erfreuen sich auch diverse Hörstationen. Zum einen erhellen und erweitern buddhistische Erzählungen allgemein konstitutive Erfahrungslogiken, indem sie sinnlich mystische Kontexte antizipieren. Zum anderen sind in zwölf Video-Storys Erfahrungsberichte von Menschen aus sehr unterschiedlichen Milieus mit persönlichen Buddhismus-Erfahrungen zu erleben.

Mit den ausgestellten Objekten und den Exkursions- und Erfahrungsparcours manifestiert die Ausstellung den Grundgedanken, dass der einzig wahre Buddhismus eine Fiktion ist. Er fügt sich aus vielen Mosaiksteinen noch bis zum 31. März 2019 zu einem spirituellen Erfahrungsangebot: Nächster Halt Nirvana.

12.03.2019

photo streaming Nächster Halt Nirvana

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Über Peter E. Rytz Review

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